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Die 10 besten Angelplätze der Schweiz

Wer im Morgengrauen am Kiesufer des Vorderrheins steht, kann zusehen, wie eine Bachforelle durch zwei Meter glasklares Wasser aufsteigt und eine Eintagsfliege von der Oberfläche nimmt. Die Schweiz packt auf 41 000 Quadratkilometer eine erstaunliche Vielfalt: über 300 Meter tiefe Seen mit Seesaiblingen, kreideklare Flüsse direkt unterhalb der Gletscher und Stauseen auf über 2 000 Metern Höhe. Der Haken daran: Jeder Kanton schreibt seine eigenen Regeln, und der Papierkram ist die halbe Expedition.

So funktionieren die Schweizer Patente wirklich

Eine nationale Angellizenz gibt es nicht. Jeder der 26 Kantone vergibt eigene Patente, und die Unterschiede sind erheblich. In Graubünden kauft man Tages-, Wochen- oder Monatspatente für ganze Reviere; in Bern darf man an vielen grossen Seen im Rahmen des Freiangelrechts vom Ufer aus gratis fischen, braucht aber für die Flüsse ein Patent; das Tessin bietet ein touristenfreundliches Saisonpatent an. Seit 2009 gilt: Wer eine Bewilligung kauft, die länger als einen Monat gültig ist, braucht den Sachkunde-Nachweis (SaNa), einen kurzen Kurs zu Fischkunde und Tierschutz. Tageskarten sind davon meist ausgenommen — deshalb reihen Gastangler Tagespatente aneinander. Schonzeiten beachten: Forellenflüsse sind in der Regel von Oktober bis Februar oder März geschlossen, und die Schonmasse variieren von Kanton zu Kanton.

Thunersee und Brienzersee — Saiblinge aus der Tiefe

Die beiden Seen um Interlaken sind klassische alpine Tiefwasserreviere. Der Thunersee fällt auf 217 Meter ab und beherbergt Seesaiblinge, Seeforellen, die gelegentlich die 80-Zentimeter-Marke knacken, Felchen und Hechte. Einheimische schleppen mit Tiefseerollen entlang der steilen Kanten bei Spiez und Oberhofen oder jiggen vertikal auf Saibling in 40 bis 80 Metern. Der Brienzersee, direkt von Gletscherflüssen gespeist, leuchtet türkis und ist extrem nährstoffarm — weniger Fische, aber die Seeforellen werden gross und kämpfen im kalten, sauerstoffreichen Wasser verbissen. Frühjahr und Spätherbst sind die besten Schleppfenster.

Die Rheinschlucht — Äschen-Kathedrale am Vorderrhein

Der Vorderrhein zwischen Ilanz und Reichenau gräbt sich durch die Ruinaulta, eine Schlucht aus weissen Kalkwänden, die stellenweise nur mit der Rhätischen Bahn oder zu Fuss erreichbar ist. Hier liegt wohl das beste Äschenwasser Mitteleuropas: Fische über 45 Zentimeter steigen an Sommerabenden frei auf Trockenfliegen. Das Bündner Patentsystem deckt grosszügige Strecken ab, das Waten ist ehrlich — rutschig, drückend, gletscherkalt selbst im August. Bachforellen teilen sich die Züge, und die Kulisse allein rechtfertigt das Bahnbillett ab Chur.

Der Doubs — wilde Zebraforellen an der Grenze

Im Jura bei Saint-Ursanne schlängelt sich der Doubs durch Kalkstein-Weideland wie ein Fluss, den ein Trockenfliegenpurist entworfen hat. Seine einheimischen Zebraforellen mit den markanten senkrechten Querbinden sind ein eigener Lokalstamm, und das Äschenfischen während der Maifliegenschlüpfe im Mai und Juni kann grandios sein. Der Fluss hat unter Verschmutzungsepisoden gelitten, deshalb sind die Regeln streng: Catch-and-Release-Strecken, teils widerhakenlose Haken. Das Patent des Kantons Jura beschreibt jede Strecke genau. Feine Vorfächer fischen — das Wasser ist langsam, klar und gnadenlos.

Genfersee und Neuenburgersee — Egli und Tafeltradition

Der Genfersee trägt eine echte Berufsfischerei, seine Egli-Filets sind ein Regionalgericht. Sportangler finden an den Kanten vor Lausanne, Morges und Lutry Flussbarsche in Stückzahlen, dazu Hechte, Felchen und tief stehende Saiblinge. Der Neuenburgersee, mit 218 Quadratkilometern der grösste ganz in der Schweiz liegende See, bietet ähnliches Fischen bei weniger Bootsverkehr — vertikales Jiggen auf Egli über 15 bis 25 Metern ist ab September die lokale Methode. Bootsvermietungen in Estavayer-le-Lac und Neuenburg machen den Einstieg leicht.

Hochgelegene Stauseen und Bergseen

Oberhalb der Baumgrenze halten Talsperren und Karseen Forellen und Saiblinge in spektakulärer Kulisse. Der Lago di Luzzone und der Lago Ritom im Tessin, der Lac de Moiry im Wallis und die Engadiner Seenkette um Sils und Silvaplana fischen von der Eisschmelze im Juni bis September gut. An der österreichischen Grenze zeigt die Silvretta-Region mit ihren hohen Stauseen, was solche kalten Gewässer hervorbringen: langsam wachsende, aber prächtig gezeichnete Fische. Kurze Saisons, Nachmittagswind und Saiblinge, die auf winzige Zuckmücken fixiert sind, gehören dazu. Eine 3er-Rute und eine Box mit Trockenfliegen der Grösse 18 decken fast alles ab.

Tessin — mediterranes Licht, alpines Wasser

Südlich des Gotthards mischt das Tessin palmengesäumte Seeufer mit wilden Bergtälern. Lago Maggiore und Luganersee halten an ihren Schweizer Ufern Hechte, Egli, Schwarzbarsche und kapitale Alet — hinter den mondänen Uferpromenaden von Ascona versteckt sich erstaunlich gutes abendliches Hechtfischen. Im Landesinneren sind Verzasca und Maggia berühmt für smaragdgrüne Gumpen zwischen geschliffenem Granit; ihre Forellen sind scheu, das Schluchtenwandern ist ernst zu nehmen, aber eine wilde Bachforelle aus dem glasklaren Wasser der Verzasca ist ein Ehrenabzeichen. Das kantonale Touristenpatent deckt für den Preis enorm viel Wasser ab.

Angelteiche für Familien und Einsteiger

Daneben gibt es ein Netz von Bezahlteichen, an denen weder Patent noch SaNa nötig sind — ideal für Kinder oder einen entspannten Nachmittag. Das Angelparadies Güfel nahe der Liechtensteiner Grenze und die Pêcherie de la source in der Romandie sind typische Beispiele: besetzte Regenbogenforellen, Leihruten, Grillstelle inklusive. Mehrere Fischzuchten im Wallis, etwa die Pisciculture in Ardon, verkaufen frischen Fisch und betreiben Angelteiche neben den Zuchtkanälen. Wildnis ist das nicht — aber ein ehrlicher Einstieg in die Patentgewässer.

Saisons, Taktik und Ausrüstung

Flüsse plant man von Mitte März bis September, mit dem Höhepunkt im Juni, wenn die Schneeschmelze abklingt. Seen fischen ganzjährig, wo es die Kantone erlauben — Saiblinge stehen im Sommer tief, nach dem Eisaufbruch flach. Mitnehmen: eine 9-Fuss-Rute der Klasse 4 für Flüsse, eine Spinn- oder Schleppausrüstung für die grossen Seen und Watschuhe mit Spikes für die Gletscherflüsse. Ein Passfoto gehört ins Gepäck, mehrere Kantone drucken es aufs Patent. Und Budget einplanen: ein Bündner Wochenpatent kostet je nach Zone rund 100 bis 180 Franken.

Auf der Karte

Jeder See, jede Flussstrecke und jeder Teich aus diesem Beitrag — von der Ruinaulta bis zu den Saiblingslöchern des Thunersees — lässt sich auf unserer interaktiven Karte im Detail erkunden. Zoomen Sie in die Kantone, vergleichen Sie Zugangspunkte und planen Sie Ihre Patente vor der Abreise. Beginnen Sie mit der Schweiz auf der Karte und folgen Sie den blauen Linien bergauf, bis sich die Höhenlinien drängen: Dort leben die wilden Fische.