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Die 10 besten Angelplätze in Venezuela

Venezuela ist kein Land, das laut von sich reden macht — zumindest nicht unter Anglern außerhalb Südamerikas. Doch wer einmal am Cinaruco-Fluss gestanden hat, wenn ein Pfauenbarsch von vier Kilogramm einen Popper angreift und das Wasser weiß schäumt, der braucht keine weitere Überzeugungsarbeit. Das Orinoco-Einzugsgebiet entwässert rund 880.000 Quadratkilometer tropischen Tieflandes und beherbergt Pfauenbarschpopulationen, die seit den 1980er-Jahren Angler aus aller Welt anziehen. Dazu kommen der Archipel Los Roques 166 Kilometer nördlich von Caracas mit seinen elfenbeinfarbenen Flats voller Bonefish und Permit sowie die offene Karibik, wo Marlin und Gelbflossen-Thun auf Tiefseeangler warten. Kein anderes Land der Region vereint so viele Angelwelten auf so engem Raum.

Orinoco und Cinaruco — das Revier des Pfauenbarsches

Der Cinaruco, ein linksseitiger Nebenfluss des Orinoco in den Bundesstaaten Amazonas und Apure, gilt weltweit als das beste Gewässer für den temensis-Pfauenbarsch, der Exemplare von über 8 kg hervorbringt. Der Fluss liegt im Nationalpark Cinaruco-Capanaparo, was ihm einen Schutzstatus verleiht, der die Bestände erhält. Angelcamps schwimmen im Fluss verankert und bieten alle Annehmlichkeiten, die eine mehrtägige Expedition erfordert. Morgens lockt Topwater-Gerät die Fische aus den Flachwasserzonen; tagsüber werden Gummifische und Jigs an versunkenen Felsrippen eingesetzt. Die beste Saison liegt von November bis April, wenn der Wasserstand fällt und die Fische sich in überschaubaren Prallhängen und Altarmen konzentrieren.

Manirote und die oberen Tributäre des Ventuari

Manirote am Ventuari ist das Ausgangstor für Expeditionen tief ins amazonische Hinterland. Die Flüsse werden schmaler, der Blätterdach schließt sich über dem Wasser, und der Pfauenbarsch wird noch aggressiver, weil er in den klaren Schwarzwasserbecken um jedes Revier kämpft. Hier findet sich auch der Payara — der Vampirfisch mit seinen langen Fangzähnen — sowie sehr große temensis-Pfauenbarsche. Lokale Führer navigieren durch ein Geflecht aus Armen und Altgewässern, das keine Karte vollständig erfasst. Fische zwischen 3 und 7 kg sind alltäglich; Exemplare über 10 kg sind realistisch.

Los Roques — Bonefish auf den Tropenflats

Los Roques ist Venezuelas bedeutendstes Salzwasserziel. Der Archipel besteht aus mehr als 350 Inseln und Sandbänken, die eine riesige Lagune mit knietiefem, türkisfarbenem Wasser umschließen. Der weiße Sandboden und die Seegraswiesen bieten idealen Lebensraum für Bonefish, die durchschnittlich 1–2 kg wiegen, gelegentlich aber auch 3 kg übersteigen. Permit kreuzen die Flats ebenfalls, lassen sich jedoch weit schwieriger überlisten. Barrakuda, Schnapper und Crevallen halten sich in den tieferen Kanälen zwischen den Cays auf. Gran Roque ist die einzige bewohnte Insel mit Unterkünften und Bootsanbindung. Da der Archipel Nationalpark ist, gehört Catch-and-Release zum Standard.

Bahía de Moreno und die Karibik-Hochsee

Vor der Nordküste nahe Morrocoy und weiter ostwärts in Richtung Sucre fällt die Karibik rasch auf Tiefwasser ab. Von Mai bis August treiben warme Strömungen Marlin, Segelfisch und Gelbflossen-Thun nah an die Küste. Trolling mit Ballyhoo-Ködern hinter einem Teaser-Spread ist die Standardmethode. Charterboote legen aus Puerto La Cruz und Cumaná ab; die Flotte ist kleiner als in Trinidad, aber kompetent und auf Vorbestellung zuverlässig.

Truchicultura Santo Domingo — Forellen in den Anden

Im Bundesstaat Mérida, hoch in den venezolanischen Anden, fließt der Río Santo Domingo durch Páramo-Grasland auf über 1.500 Metern Höhe. Eingeführte Regenbogenforellen haben sich im Oberlauf fest etabliert. Die Anlage Truchicultura Santo Domingo im Tal nahe der Straße nach Barinas ist der zugänglichste Einstiegspunkt für Forellenfischer. Das Gewässer ist schmal und technisch anspruchsvoll — Upstream-Nymphen oder Trockenfliegen in strömungsreichen Abschnitten sind am erfolgreichsten. Die Fische messen 25–40 cm, aber die Kulisse aus Nebelwald und Bergwiesen ist einmalig.

Caura — Wildnis-Catfish und Pfauenbarsch

Der Caura im Bundesstaat Bolívar ist einer der letzten ungefassten großen Orinoco-Nebenflüsse. Sein klares, braunes Wasser beherbergt Pfauenbarsche und riesige Rotschwanzwelse, die gelegentlich 50 kg überschreiten. Der Zugang erfolgt über den Ort Maripa, von wo mehrtägige Bootsfahrten in die produktiven Flussabschnitte führen. Die Abgeschiedenheit ist das eigentliche Alleinstellungsmerkmal: keine anderen Angler, kein Lärm, nur Wald, Flussdelfine und ein Sternenhimmel ohne Lichtverschmutzung.

Stausee Guri — Pfauenbarsch im Riesensee

Die Represa de Guri im Bundesstaat Bolívar ist mit knapp 4.250 Quadratkilometern einer der größten Stauseen der Welt. Nach der Staudamm-Fertigstellung 1978 hat sich eine starke Population des gefleckten Pfauenbarsches (Tucunaré) entwickelt. Die Fische sind kleiner als im Fluss, mit Durchschnittswerten von 1–2 kg, aber sie sind zahlreich und von Ciudad Guayana aus einfach zu erreichen — ohne die Logistik eines Expeditionscamps.

Caroní-Mündung bei San Félix

Wo der klare Caroní auf den trüben Orinoco trifft, entsteht eine hochproduktive Angelzone nahe San Félix und Ciudad Guayana. Schwere Grundtackle fängt große Welsartige wie den Bagre Liso; Oberflächenköder am Strömungsriss bringen Payara. Der Standort ist per Straße erreichbar und eignet sich für Tagesausflüge aus der Stadt.

Isla Margarita — Küstenfischen in der Ferienidylle

Margarita ist Venezuelas wichtigstes Touristenziel, aber die felsigen Kaps und die versunkenen Riffs rund um die Insel bieten guten Küstenfischfang. Schnapper, Zackenbarsch und Crevallen folgen dem Köder bis ans Boot. In den Wintermonaten treiben Königsmakrelen und Spanische Makrelen in den Gewässern südlich der Insel. Wer Strand mit Sport verbinden möchte, ist auf Margarita gut aufgehoben.

Delta del Orinoco — Tarpon und Snook

Das Orinoco-Delta erstreckt sich über rund 25.000 Quadratkilometer Kanäle, Mangroven und Tideflächen. Tarpon bis 40 kg bewegen sich mit den Gezeiten, Snook lauern unter den Mangroven-Wurzeln. Die Warao-Gemeinschaften vermitteln Führerdienste durch dieses Labyrinth. Die Abgeschiedenheit — Anreise per Flug nach Tucupita und dann per Boot — sorgt dafür, dass die Fische von künstlichen Ködern kaum berührt wurden.

Auf der Karte

Venezuela vereint auf einem Kontinent tropische Flusslandschaften, Andenbäche, Karibikküste und ein riesiges Deltamündungsgebiet. Nutzen Sie die interaktive Karte, um Ihre Route zu planen und einzelne Angelreviere zu vergleichen. Entdecken Sie Venezuela auf der Karte und finden Sie auch abseits der bekannten Camps verborgene Flussabschnitte und Küstenzugänge, die in herkömmlichen Angelführern nicht auftauchen.