Eine kleine Geschichte des Angelns als Freizeitsport
Im Jahr 1496 druckte Wynkyn de Worde in Westminster die zweite Ausgabe des Book of St Albans, und darin verbarg sich das Treatyse of Fysshynge wyth an Angle — die erste umfassende Abhandlung über das Sportfischen in englischer Sprache. Die Überlieferung schreibt den Text Dame Juliana Berners zu, Priorin des Klosters Sopwell bei St Albans. Ob nun wirklich eine Nonne des fünfzehnten Jahrhunderts die Autorin war oder nicht: Das Werk beschreibt geflochtene Rosshaarschnüre, zwölf künstliche Fliegenmuster passend zu den Monaten des Jahres und Ruten aus Hasel, Weide und Espe von gut vier Metern Länge. Schon vor fünfhundert Jahren grübelten Angler also über genau dieselben Fragen, über die wir heute am Wasser diskutieren.
Fischen zum Vergnügen vor dem Buchdruck
Gefischt wurde aus Freude lange, bevor jemand darüber schrieb. Ägyptische Grabmalereien aus Beni Hassan, um 2000 v. Chr., zeigen Adlige mit Rute und Schnur — erkennbar als Zeitvertreib, nicht als Broterwerb. Der römische Autor Aelian beschrieb im zweiten Jahrhundert n. Chr., wie makedonische Angler am Fluss Astraeus rote Wolle und Federn um Haken wickelten, um ein heimisches Insekt nachzuahmen — der älteste klare Beleg für das Fliegenfischen. Im mittelalterlichen Europa bewirtschafteten Klöster ihre Karpfenteiche und Forellenbäche mit erstaunlicher Sorgfalt; der Fischteich gehörte von Burgund bis England fest zur Abtei. Das Treatyse sammelte dieses verstreute Wissen und fügte ein moralisches Argument hinzu, das jahrhundertelang nachhallen sollte: Angeln sei die tugendhafteste aller Jagdformen, gut für Leib und Seele.
Izaak Walton und das Ideal der Beschaulichkeit
Das Buch, das aus dem Angeln einen literarischen Stoff machte, erschien 1653. Izaak Walton, ein zurückgezogener Londoner Eisenwarenhändler, veröffentlichte The Compleat Angler mitten in den Wirren des Cromwell-Englands und zeichnete das Fischen als friedlichen Zufluchtsort in einer gewalttätigen Zeit. Das Buch ist halb Lehrwerk, halb Idylle, voller Lieder von Melkerinnen und Wirtshäusern am Fluss Lea nördlich von London. Sein Freund Charles Cotton ergänzte 1676 einen Teil über das Fliegenfischen auf Forelle und Äsche, geschöpft aus seinem Hausgewässer, dem River Dove im Peak District von Derbyshire, wo sein Fischertempel von 1674 bei Beresford Dale noch heute steht. The Compleat Angler war seither nie vergriffen — angeblich erlebten nur die Bibel und das anglikanische Gebetbuch mehr englische Auflagen. Waltons sanftes Motto, study to be quiet, also etwa: übe dich in der Stille, prägt bis heute eine ganze Schule des angelnden Temperaments.
Rosshaar, Darmsaite und die ersten Gerätebauer
Über weite Strecken der Geschichte war Angelgerät Eigenbau. Schnüre wurden aus Rosshaar geflochten — das Treatyse erklärt sogar das Färben —, und ein geübter Angler verjüngte das Geflecht von etwa fünfzehn Haaren an der Rute auf zwei oder drei am Haken. Im achtzehnten Jahrhundert verdrängte spanische Seidenraupendarm-Schnur das Rosshaar am Vorfach, später kamen geölte Seidenschnüre hinzu. Die Rolle, 1651 erstmals von Thomas Barker im englischen Druck abgebildet, entwickelte sich von der hölzernen Winde zur Präzisionsmechanik aus Messing. Im viktorianischen Zeitalter wurde daraus eine Industrie: Hardy Brothers eröffnete 1872 in Alnwick in Northumberland, und ihre Perfect-Rolle von 1891 wurde zum berühmtesten Stück Angelgerät aller Zeiten. Gespließte Ruten aus sechs dreieckigen Streifen Tonkin-Bambus erreichten bei Meistern wie Hiram Leonard in Maine höchste Vollendung.
Eisenbahn, Angelvereine und der viktorianische Boom
Die Eisenbahn tat für das Angeln so viel wie jeder Rutenbauer. Ab den 1840er Jahren brachten Züge Büroangestellte und Fabrikarbeiter aus London, Manchester und Birmingham an Flüsse, die zu Fuß unerreichbar gewesen wären, und Angelvereine schossen zu Hunderten aus dem Boden. Das Wettangeln auf Rotauge, Brasse und Gründling wurde in den englischen Midlands zur Arbeiterinstitution — ganze Sonderzüge voller Angler ergossen sich sonntags an die Ufer von Trent und Witham. Am anderen Ende der Gesellschaft wurden die Kreidebäche von Hampshire zu Tempeln kostspieliger Präzision: Der 1822 am River Test gegründete Houghton Club gilt bis heute als exklusivster Angelclub der Welt. Frederic Halford kodifizierte dort in den 1880er Jahren die stromauf gefischte Trockenfliege, und G. E. M. Skues entfachte prompt einen Glaubenskrieg, als er an der benachbarten Itchen die Nymphe verteidigte.
Amerika, Schwarzbarsch und die Rute der Pioniere
Jenseits des Atlantiks nahm das Angeln einen anderen Charakter an. Die Catskill-Flüsse im Bundesstaat New York — Beaverkill, Willowemoc und Neversink — wurden im späten neunzehnten Jahrhundert zur Wiege des amerikanischen Fliegenfischens; Theodore Gordon passte dort englische Trockenfliegen an schnelleres, raueres Wasser an. Im Westen drangen Angler nach Montana, Wyoming und an die Steelhead-Flüsse von Oregon und British Columbia vor. Das Barschangeln entwickelte sich zur eigenständigen amerikanischen Schule mit eigener Technik: Die in Kentucky gefertigten Multirollen von George Snyder und den Gebrüdern Meek waren ab den 1810er Jahren ihren europäischen Gegenstücken um Jahrzehnte voraus. Im zwanzigsten Jahrhundert wurden die USA zum Maschinenraum der Geräteindustrie — bis hin zur 1948 vorgestellten, in Frankreich gebauten Stationärrolle Mitchell 300, die sich weltweit zigmillionenfach verkaufte.
Kunststoffe, Glasfaser und Kohlefaser
Der Zweite Weltkrieg veränderte das Angelgerät so gründlich wie alles andere. Monofiles Nylon, eine DuPont-Erfindung der späten 1930er Jahre, verdrängte Seide und Darmsaite fast über Nacht; Schnüre waren plötzlich billig, stark und nahezu unsichtbar. Hohle Glasfaserruten erschienen Ende der 1940er Jahre und brachten eine brauchbare Rute in jeden Eisenwarenladen der Welt. Anfang der 1970er Jahre kam dann die Kohlefaser — entwickelt für die Luftfahrt am Royal Aircraft Establishment in Farnborough — und der Rutenbau veränderte sich für immer. Eine Kohlefaserrute wog nur halb so viel wie Gespließtes, schwang schneller aus und ließ sich verlängern, ohne zum Fahnenmast zu werden. Stationärrollen erhielten feinfühlige Bremsen, Echolote schrumpften von Marinetechnik auf Handgerätegröße, und in den 1990er Jahren trug ein gewöhnlicher Angler mehr Technik ans Wasser als ein Forschungsschiff der 1950er.
Catch and Release und das moderne Gewissen
Die vielleicht tiefste Veränderung des letzten halben Jahrhunderts ist eine ethische. Lee Wulffs Satz von 1939, ein guter Sportfisch sei zu wertvoll, um nur einmal gefangen zu werden, wuchs langsam zur Bewegung heran; als Ray Scott 1967 die Bass Anglers Sportsman Society gründete und später Release-Regeln in Turnieren durchsetzte, wurde das Zurücksetzen in Amerika zum Standard. In Europa entwickelte sich das Bild ganz anders: Im britischen Friedfischangeln und an skandinavischen Lachsflüssen wie der norwegischen Gaula ist Catch and Release Norm oder sogar Pflicht, während das Tierschutzrecht in Deutschland und der Schweiz das Zurücksetzen verwertbarer Fische gerade einschränkt. Die heutigen Debatten über Schonhaken, Setzkescher und Besatz sind nur das jüngste Kapitel eines Gesprächs, das Dame Juliana 1496 eröffnet hat — und es spricht wenig dafür, dass es jemals zu Ende geführt wird.
Auf der Karte
Fünf Jahrhunderte Angelgeschichte sind in reale Flüsse eingeschrieben, die man noch heute befischen kann: die Dove bei Beresford Dale, der Test bei Stockbridge, der Beaverkill bei Roscoe. Öffnen Sie die interaktive Karte, um historische Forellenbäche, legendäre Lachsflüsse und moderne Hotspots auf allen Kontinenten zu entdecken — und schreiben Sie Ihr eigenes kleines Kapitel der Geschichte weiter.